Der Oldenburger Sachsenspiegel - Codex picturatus Oldenburgensis - Glanzlichter der Buchkunst. Kommentar von Ruth Schmidt-Wiegand u.a. Graz, 2006


Zu den frühesten Werken der mittelalterlichen Rechtsliteratur gehört die Gruppe der »Sachsenspiegel«. Unter den mehr als 400 Handschriften und Fragmenten dieses Typs stellt der Oldenburger Sachsenspiegel eine ganz besondere Rarität dar, da er als eine der wenigen Bilderhandschriften in einer besonderen Bildspalte reich illustriert ist und als einziger bebilderter Textzeuge den vollständigen Text des Land- und Lehnrechts überliefert. Die Bildleisten erläutern und veranschaulichen den Text, der als Unterrichtswerk didaktisch konzipiert wurde, um eine bestmöglich praktikable Basis für die Bereiche des sächsischen Land- und Lehnrechtes darzustellen. Die zeitgenössischen Abbildungen von Personen mit ihrer Kleidung, Bewaffnung und Gerätschaft ermöglichen einzigartige Einblicke in die Alltagskultur des 14. Jahrhunderts. Besondere Bedeutung hat der Oldenburger Sachsenspiegel auch durch seinen immensen kulturgeschichtlichen Quellenwert. Sprache, Rechtsprechung und Alltagskultur, Dinge, die unser Leben entscheidend prägen, werden hier in ihren Wurzeln unmittelbar faßbar und zeigen, daß die heutigen Generationen auch immer einen Teil der Vergangenheit in sich tragen. Der Oldenburger Sachsenspiegel beinhaltet Aufzeichnungen des angewandten Rechts, die nicht mehr in einer der üblichen Bildungssprachen, Griechisch oder Latein, sondern in der Volkssprache abgefaßt sind. Der Text, den Eike von Repgow aus einer (verlorenen) lateinischen Erstfassung in das Mittelniederdeutsche übertrug, wurde im Jahre 1336 im Auftrag des Grafen Johann III. von Oldenburg im Kloster Rastede vom Benediktinermönch Hinrik Gloyesten niedergeschrieben. 12,5 x 19,5 cm, Bildteil: 272 Seiten, Textteil: 176 Seiten, Leinen, geb. Text und Übersetzungsband: 17 x 20 cm, 280 S., pb.

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