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Max Ackermann 1887 - 1975. Leben und Werk 1887 - 1912.

Von Hans-Dieter Mück. Wiesbaden 2017.

21 x 29,5 cm, 216 S., zahlr. farb. und s/w-Abb., geb.

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geb. = fester Einband, paperback. = Paperback-Ausgabe, Sonderausgabe * (Ausstattung einfacher, evtl. Vergleichspreis nennt die gebundene Ausgabe)

Was man großen Komponisten wie Mozart oder Mendelssohn-Bartholdy uneingeschränkt zubilligt, wird Malern oder Bildhauern nur ganz selten attestiert: eine frühe Meisterschaft. Dabei ist für uns heute leicht nachvollziehbar, dass die frühe Förderung vorhandener Fähigkeiten und Talente fast zwangsläufig auch die Akzeleration der geistigkreativen Entwicklung anregt und optimiert. In der bildenden Kunst ist Max Ackermann (1887-1975) dafür ein gutes Beispiel, wurde er doch bereits ab 1895, damals noch als Schüler, von seinem Vater - der weit mehr als nur ein einfacher Holzbildhauer war - in dessen Möbel- und Rahmenwerkstatt in Ilmenau mit den diversen Kunstströmungen und mit der bürgerlichen Ästhetik seiner Zeit konfrontiert. Ähnlich wie die eingangs genannten Komponisten sich in ihren frühen Werken an der Tonsprache ihrer Zeit orientierten, erlernte der junge Max Ackermann die Bildsprachen der Jahrhundertwende, die spannend genug waren und alle Möglichkeiten der Weiterentwicklung der Kunst in sich bargen. Dass dem romantisch-idealistischen »Wunderkind« nach ersten spätimpressionistischen Naturstudien bereits im Juni 1905 - und damit ein halbes Jahr vor Adolf Hoelzel (1853-1934) und sogar fünf Jahre vor Wassily Kandinsky (1866-1944) - die weltweit erste abstrakte Farbkomposition in seiner Heimatstadt Ilmenau gelang, ist leider in der Kunstöffentlichkeit so gut wie gar nicht bekannt. Im weiteren Verlauf seiner fast 75 Jahre umfassenden eigenständigen künstlerischen Tätigkeit hat Max Ackermann sich allzeit mit den aktuellen Entwicklungen der internationalen Kunst beschäftigt und auf diese mit seinen eigenen individuellen Werken geantwortet. Beispiele dafür sind seine veristisch-sozialkritischen Gemälde, Zeichnungen und Radierungen der Zwanziger Jahre - als er in Stuttgart als einer der bedeutendsten Zeichner seiner Zeit galt und 1928 gemeinsam mit Kandinsky und Grosz im Kunsthaus Schaller ausstellte - sowie seine kontrapunktischen Acrylbilder mit Leuchtfarben der Sechziger Jahre, mit denen er auf die aus den USA herüberschwappende Pop-Art abstrakt (!) antwortete. Will Grohmann sagte einmal über Max Ackermann, dieser sei nicht der große Erfinder, sondern ein äußerst wichtiger Katalysator der Moderne gewesen. Ich denke, diese Definition hätte Max Ackermann nicht gänzlich abgelehnt. Denn: Er betrachtete die Kunst weniger als Revolution, sondern als immerwährende Evolution. Deshalb konnten sich logisch und bruchlos Figurenbilder durch ständige Vereinfachung zu abstrakten Bildern wandeln oder Fundstücke vom Strand des Bodensees zu wunderbaren Farbkompositionen werden. Max Ackermann war ein ganz wichtiger und höchst spannender Künstler des 20. Jahrhunderts und einer der ganz wenigen, welche die Entwicklung der Moderne vom Jugendstil bis zur Kunst der Siebziger Jahre nicht nur selbst miterlebt, sondern auch mitgestaltet und maßgeblich geprägt haben.

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